Ein Euro mehr Verwalterhonorar – und plötzlich eskaliert die Eigentümerversammlung.
Wer solche Situationen erlebt, stellt schnell fest: Es geht selten um den Euro.
Der Euro wird zum Symbol. Tatsächlich geht es häufig um Einfluss, Kontrolle und die Frage, wer die Spielregeln bestimmt. Das Honorar ist dabei lediglich der sichtbare Anlass.
Genau deshalb verlaufen diese Diskussionen oft erstaunlich emotional. Der wirtschaftliche Unterschied für den einzelnen Eigentümer ist meist gering. Trotzdem wird mit großer Härte argumentiert, Positionen werden verteidigt und Kompromisse abgelehnt. Der eigentliche Konflikt liegt auf einer anderen Ebene.
Für Verwalterinnen und Verwalter ist es wichtig, diese Dynamik zu erkennen. Wer einen Machtkonflikt ausschließlich mit Zahlen, Kalkulationen oder Marktvergleichen beantworten will, wird die Situation häufig nicht entschärfen. Denn Machtspiele lassen sich nicht mit Excel-Tabellen lösen.
Professionelle Verwaltung bedeutet deshalb mehr als Fachwissen im WEG-Recht oder in der Buchhaltung. Sie erfordert auch die Fähigkeit, Konflikte richtig einzuordnen und zwischen sachlichen Einwänden und symbolischen Auseinandersetzungen zu unterscheiden.
Wer erkennt, dass der Streit nicht um einen Euro, sondern um Macht geführt wird, kann souveräner reagieren – und verhindert, dass aus einer Honorarverhandlung ein dauerhafter Beziehungskonflikt wird.
Angela Hartmann
Inspiriert durch die Arbeiten von Prof. Dr. Carsten C. Schermuly zur Psychologie der Macht.
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